Fotografische Arbeitsweisen

In der Fotografie gibt es eine Menge typische Schritte aber auch Unterschiede. Es gibt bestimmte Wege, wie ein Fotograf ein Bild macht, die Kamera bedient und die Phasen durchläuft, die in dem Artikel über Kamera Ergonomie Taxonomie beschrieben sind. Ich nenne diese Wege Arbeitsweisen oder auch Shooting Styles.

Es ist hilfreich diese verschiedenen Arbeitsweisen zu verstehen, denn sie begründen oftmals die unterschiedlichen Meinungen die es zu der Bedienbarkeit einer Kamera gibt. Im folgenden möchte ich zwei Arbeitsweisen vorstellen, welche ich bei vielen Fotografen beobachtet habe.

1) Die Flexible Arbeitsweise

Wenn du diese Arbeitsweise benutzt, dann versuchst du verschiedene Arten von Fotos aufzunehmen. Das kann im Urlaub der Fall sein. Du siehst interessante Dinge und willst einige spannende Fotos zeigen können, wenn du wieder zuhause bist. Oder du fotografierst eine Hochzeit und musst laufend zwischen Reportage, ungestellten Portraits, Showeinlagen und offiziellen, gestellten Fotos wechseln – oft in sehr kurzer Zeit, da jeder Moment besonders ist und nur einmal im Leben des Hochzeitspaares passiert.

Diese Arbeitsweise benötigt sehr viele Einstellungen während der Aufnahme-Phase. Man muss nicht nur die Blende und Brennweite einstellen, sondern auch den Kameramodus, Belichtungszeit oder Blitzeinstellungen. Jede Sekunde zählt, also muss als dies schnell, exakt und mit der Kamera am Auge möglich sein. Dies scheint mir die Arbeitsweise zu sein, die Andrew Smallman im Kopf hatte, als er das moderne Kamera-Bedienkonzept für besser erklärte.

Flexibel zu sein bedeutet auch einen Bedarf an unterschiedlichen Brennweiten. Bei dieser Arbeitsweise sind also Zoomobjektive besonders praktisch sind. Ideal wäre ein lichtstarkes Superzoom, aber leider ist das nur ein Traum, wie wir alle wissen. Also muss man sich entscheiden, welchen Brennweitenbereich man benötigt und wie lichtstark das Objektiv sein muss. Die Entscheidung wird immer ein Kompromiss zwischen großem Brennweitenbereich und hoher Lichtstärke sein.

2) Die Konzentrierte Arbeitsweise

Wie ich oben schon schrieb, gibt es mehr als einen Weg Fotos zu machen. Viele Fotografen machen keine Hochzeiten oder Sportfotos und möchten dies auch gar nicht. Sie bevorzugen eine langsamer Arbeitsweise und beschränken sich ganz bewusst auf eine Art Fotos die sie zu einem Zeitpunkt machen wollen. Damit dies möglich ist, braucht es eine gut überlegte Vorbereitungsphase in welcher das richtige Objektiv ausgesucht und die notwendigen Einstellungen vorab durchgeführt werden.

Um Portraits aufzunehmen wirst du vermutlich ein lichtstarkes, kurzes Teleobjektiv wählen, sanfte Farben einstellen und Blendenvorwahl mit relativ offener Blende benutzen. In der Aufnahmephase änderst du daran nichts, sondern konzentrierst dich auf die Person vor dir. Wenn ein toller Vogel vorbeifliegt, dann ignorierst du das, einfach weil es nicht in deinem aktuellen Thema liegt. Das selbe gilt für die Arbeit im Studio oder bei Landschaftsaufnahmen mit Stativ, langer Belichtungszeit und einem Superweitwinkel.

Wenn ein Fotograf die Konzentrierte Arbeitsweise wählt, dann vermindert er seine Freiheiten in der Aufnahmephase durch die Objektivwahl und Einstellungen in der Vorbereitungsphase. Manche spezielle Fotos können nur auf diese Weise gemacht werden, eben weil sie ein Stativ, ein Superweitwinkel und Langzeitbelichtung oder ein sehr lichtstarkes Objektiv benötigen. Dies sind Dinge die ein Zoomobjektiv bei aller Flexibilität nicht leisten kann.

Ergebnis

Wenn wir die beiden hier vorgestellten Arbeitsweisen vergleichen, wird klar, dass keine von beiden besser ist. Beide sind in bestimmten Situationen und für bestimmte Fotos nützlich und hilfreich. Beide werden von Amateuren ebenso wie von professionellen Fotografen benutzt. Manche ändern ihre Arbeitsweise je nach Situation, andere tendieren zu nur einer von beiden, weil sie ihnen besser gefällt oder sie nur entsprechende Fotos aufnehmen. Es gibt keine perfekte Lösung für alle Eventualitäten und es gibt auch nicht die eine Kamera die für jeden Fotografen gleichermaßen perfekt ist. Das sollten wir bei allen Diskussionen um die Bedienung einer Kamera nicht vergessen.

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