Hasselblad X1D – eine Einschätzung der spiegellosen Mittelformatkamera

Hasselblad X1D

Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Hersteller den weg der Spiegellosen auch im Mittelformat geht. Gerade dort sind Spiegelkasten und optischer Sucher groß, schwer und teuer und der Vorteil die wegzulassen groß. Hasselblad macht es konsequent und verwendet die selben Innereien wie die große H6D-50c mit Spiegel: gleicher 50 MPx CMOS Sensor, gleiche Elektronik, 1/2000 s Blitzsynchronisation (Objektive mit Zentralverschluss), gleicher 3-Zoll Touch-Screen. Das wird in ein kompaktes, flaches Gehäuse gesteckt, mit einem EVF ( 2,36 Millionen Subpixel ) gesteckt, edel / minimalistisch modern designed und fertig ist die Sache.

Macht man einmal den Größenvergleich, so ist dieser schon enorm: Statt 2115 g (H6D) nur 725 g (X1D), das ist nur gut ein Drittel. Damit landet die spiegellose Hasseblad in Sachen Gewicht unter ein Nikon D810 (980 g, 36 MPx Kleinbild mit Spiegel) und nur knapp über der Sony Alpha 7R II (725 g, 42 MPx spiegellose Kleinbild). Bei der Größe sieht es entsprechend aus, hier ein Größenvergleich Sony A7RII, Hasselblad X1D, Nikon D810 bei Camerasize. Man sieht deutlich, wie schlank die neue Hasselblad geworden ist.

Vergleich Hasselblad-X1D, Sony-A7RII, Nikon-D810

Sicher, die Objektive bleiben deutlich größer, aber in Form von Festbrennweiten ist das nicht so schlimm. Bisher sind es genau zwei Objektive, ein 3.5 / 45 mm (entspricht 2.8 / 35 mm Kleinbild) und ein 3.2 / 90 mm (entspricht 2.5 / 70 mm Kleinbild). Zur Photokina soll noch ein 30 mm (entspricht 24 mm Kleinbild) folgen. Ein Adapter soll die H-Objektive von Hasselblad ebenfalls nutzbar machen. Das war es dann aber wohl vorerst mit der Objektivauswahl, denn die Kamera hat keinen eigenen Verschluss und Fremdobjektive mit Zentralverschluss sind selten.

Für wen eignet sich die Hasselblad X1D also? Ich sehe sie in drei Bereichen. In der professionellen Modefotografie sind die hohe Auflösung und die schnelle Blitzsynchronisation wertvoll. Und auch die Profis wollen nicht mehr länger unnötig schwere Kameras schleppen. Ambitionierte Amateure mit dem nötigen Geld und den höchsten Ansprüchen finden die Kamera sicher auch interessant und sind bereit sich in Sachen Brennweiten- / Objektivauswahl einzuschränken. Zu guter letzt gibt es dann noch die Luxus-Kamerakäufer, denen es eigentlich weniger um die Nutzung als um das Image geht. Bisher hat vor allem Leica diese Zielgruppe erfolgreich adressiert. Hasselblads Versuch mit umgelabelten Sony Kameras hatte zu wenig Substanz. Die X1D hat nun die nötige Substanz. Schon zu analogen Zeiten konnte man mit einer Hasselblad Mittelformat angeben. Jetzt kann man es auch im digitalen Zeitalter und das ohne einen schweren Brocken rumschleppen zu müssen.

Spannend ist jetzt auch die Frage, wer in dieses Segment folgen wird. Bei Fujifilm, Nikon und auch Sony wird schon seit Jahren darüber spekuliert. Es bleibt also spannend im Kameramarkt.

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