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Fotorucksack im Selbstbau

2007-10-13

Top-Loader Fotorucksack selbstgemacht - Innentasche aus Isomatte - Bauanleitung Fotoeinsatz - Fototasche


Da ich keinen Fotorucksack finden konnte, den man wie einen normalen Rucksack von oben beladen kann, habe ich mich daran gemacht, einen passenden Rucksack mit einem Fotoeinsatz auszustatten. Den entstandene Rucksack (rechts im Bild) habe ich Hennig Top Drauf getauft - ein kleiner Hinweis auf die Methode des Beladens. Er ist ideal auf meine Ausrüstung angepaßt, kann aber auch noch je nach Einsatz verändert werden. Neben einem geordneten Fach für 2 bis 3 Objektive und Blitz und einem Ablagefach für die Kamera mit Objektiv war es mit wichtig noch ein schmales hohes Fach für eine Getränkeflasche und/oder ein kleines Stativ zu haben. Mein Ziel habe ich erreicht und nun werde ich hoffentlich viele schöne Fototouren mit diesem Rucksack machen können. Erstaunlich ist vor allem das geringe Endgewicht der Konstruktion mit insgesamt knapp unter einem Kilo. Das ist 600 g leichter als mein Jack Wolfskin ACS Photopack und gut 1,2 kg leichter als mein Lowepro Omni Trekker! Unauffälliger ist so ein Selbstbau auf jedem Fall. Wie stabil meine Konstruktion über lange Zeit hält, wird sich zeigen. Dies hier ist meine kleine Bastelanleitung des Rucksacks. Vielleicht hilft sie dem einen oder anderen ja bei eigenen Konstruktionen. Nun aber ran ans Werk!

Das wichtigste ist natürlich ein passender Rucksack. Meiner sollte ausreichend hoch sein und ein großes und recht breites Hauptfach besitzen. Wanderrucksäcke haben tolle Tragegestelle sind aber zu schmal geschnitten und gebogen und so landete ich bei einem Snowboard-Rucksack von Maui-Wowie, der sich dank weicher Träger und eines leichten Hüftgurtes auch recht gut tragen läßt. Und sogar die Farbgebung paßt zu Nikon. :-)

Benötigt habe ich (Gesamtkosten knapp 60,- Euro):

  • 1 passender Rucksack (Maui Wowie: 30,- Euro bei Sport Scheck)
  • 1 Isomatte, möglichst fest und glatt (Alex: 15,- Euro bei Karstadt)
  • 1 Rolle Doppelseitiges Klebeband (Pattex, 4,20 bei Conrad)
  • 1 Rolle selbstklebender Klettverschluß (3,60 bei Conrad)
  • 1 Rolle Gewebeband (Pattex, 6,- Euro bei Conrad)

Als erstes habe ich aus Pappe eine Bodenform geschnitten. Dazu erst mit einem großen Stück anfangen, gucken wo es im Rucksack aneckt, dort ein wnig wegnehmen und dann wieder testen, bis die Pappe genau auf den Boden des Rucksacks paßt. Dann noch einmal am Rand die Dicke der Isomatte abnehmen. Mit der Pappmaske dann zwei gleiche Stücke ausschneiden. Dazu einfach die Maske auf die Isomatte legen und mit einem Cutter dran entlang schneiden. Vorher natürlich ein Schneidebrett oder mehrer Lagen Pappe unterlegen, damit nicht der Boden zerschnitten wird!

Die beiden Formplatten bilden mit doppelseitigen Klebenband verbunden den Boden des Fotoeinsatzes. Nun werden die Wände benötigt, in meinem Fall drei, da ich eine Ecke abgerundet habe. Die Höhe des Rucksacks ausmessen, ein wenig abziehen und man hat die Länge. Die Breite der Stücke kann durch anhalten der Bodenplatte bestimmt werden, bei Rundungen wird diese abgerollt.

ACHTUNG: Unbedingt ein Überlappen an den Kanten einrechnen! In meinem Fall hat das schmalste Teil keinen Überlappung, das mittlere überlappt das kleine und das breite beide. Pro Überlappung jeweils einmal die Dicke der Isomatte in der Breite hinzugeben.

Vor dem Zusammenbau schon einmal testen, wie gut die Konstruktion in den Rucksack paßt. Bei meinem Rucksack ist die Öffnung etwas kleiner als die Bodenfläche. Da ich ohnehin noch ein zusätzliches Fach daneben geplant habe, ist das kein Problem. Ich habe die Seitenfläche dann aber noch etwas abgeschrägt.

Als nächsten Schritt das Klettband an die Innenseiten des Fachs ankleben (natürlich das weiche). Dazu eine sinnvolle Höhe definieren. In meinem Fall soll das untere Fach 17cm hoch werden, daher entscheide ich mich für zwei Streifen auf 5 und 13 cm Höhe über dem Boden. Die Dicke des Bodens (hier 2 cm) beim Kleben dazurechnen. Danach können die Einzelteile zusammengefügt werden. Der Anfang ist am schwersten. Ich beginne mit der Innenseite der kleinen Ecke. Dazu habe ich die Ecke auf dem Boden und an der Tür angelehnt vorgeformt.

Dann klebe ich die Aussenseite. Hierfür nehme ich einen Karton als Gestell. Anschließend wird der Boden in die Ecke geklebt. Als letzes kommt die gebogene Wand hinzu. Dabei klebe ich jeweils erst die Ecken von außen und dann (etwas fummelig, aber machbar) von innen.

Die Ecke unten Links habe ich nur bis zur halben Höhe zusammengeklebt um dem Einsatz am oberen Ende etwas Flexibiltät zu geben. Diese ist bei meinem Entwurf nötig: Neben dem Fotofach habe ich noch ein ungepolstertes Fach für Wasserflasche und / oder ein kleines Stativ eingeplant. An die ich sonst nicht rankomme, da der Rucksack oben schmaler wird, so paßt es. Der fertige Fotorahmen ist hier im Bild auf der Waage: gerade mal 208 g.

Natürlich brauche ich noch Trennwände. Hier die ersten und wichtigsten: Eine großer und ein kleiner Einteiler für unten mit Klettohren und Klettstreifen und ein Boden (wieder erstellt mit Hilfe der Schablone und aus zwei zusammengeklebten Schichten) mit Griffschlaufe.

Hier noch einmal ein Detail des kleinen Trenners, damit die Konstuktion der Klettohren erkennbar ist. Etwas fummelig mit dem Gewebeband auf dem Klettband, aber mit etwas Vorsicht bekommt man es gut zusammen.

Hier nun endlich der fertige Einsatz im Rucksack. Im Bild ist er zum Beladen geöffnet und man sieht: Er steht leer wie beladen sehr gut auf seinem Boden und die Öffnung ermöglich einen recht guten Zugriff, ohne dass etwas rausfallen kann. Warum gibt es diese Konsruktion nicht bei Fotorucksäcken, die man fertig kaufen kann?

Vor derm Hauptfach ist ein seitlicher Reißverschluß für ein zusätzliches Fach, welches ich für einen Reiseführer oder Notizbuch, Brieftasche usw. verwenden kann. Seiten- und Vortasche bieten Platz für Essen und Krimskrams. Besonders schön finde ich das Fach direkt auf dem Deckel: Eigentlich wohl für die Sonnenbrille gedacht eignet es sich sehr gut für Filter, Speicherkarten und Akkus - einen passenden Einsatz dafür plane ich schon. ;-)

Oben liegt erstmal die D80 mit Batteriegriff und eine Standard-Zoom. Sie läßt sich schnell und einfach rausnehmen.

Sobald die Kamera im Einsatz ist, kann man den Trennboden hochklappen und neben den Einsatz stecken, sodass er während des Fotografierens nicht im Weg ist.

Nun hat man für die Dauer des Shootings den direkten Zugriff auf zwei oder drei Wechselobjektive, Blitz, ImageTank oder was auch immer sonst man in dem Fach ablegt. Die große Tiefe erlaubt es mir das 70-300 VR während dieser Benutzungsphase mit aufgesetzter Sonnenblende in den Rucksack zu stellen - sehr praktisch.

So von oben betrachtet sieht das alles recht klein aus, aber das täuscht: Das Fach hat eine Höhe von 33 bis 37 cm, ist 23 cm breit und 15 cm tief: Das Tokina 12-24 hat eine ausladende Sonneblende mit 10,5 cm Durchmesser und paßt in beide Hauptfächer.

Rechts neben dem Fotofach schaut das Einbein aus dem Rucksack raus. Daneben befindet sich noch eine 1,25 l Wasserflasche, man sieht auf dem Bild eine kleine Ecke des gelben Deckels schimmern. Wenn ich statt dessen eine 0,5 l Flasche und mein Slik Sprint Mini mitnehme schaut nichts raus - schön unauffällig.

So und jetzt wünsche ich jedem der Lust auf eigene Konstruktionen bekommen hat: Viel Spaß beim Basteln!
Ich würde mich freuen Bilder davon zu sehen und auch hier zu zeigen. Schreibt mir eine E-Mail!