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Nikon D80 - die Features und die Praxis

2006-08-09

Einleitung

Nikon hat heute morgen (9.8.2006) die D80 vorgestellt. Schon kurz nachdem ich mir ihre Features angeschaut habe, wurde mir klar: Das wird meine nächste Kamera. Jetzt ist sie bestellt. Sie bietet fast so viel wie die deutliche teurere D200 und sogar ein paar Kleinigkeiten mehr. Und all die Kleinigkeiten, die mich an der D70 manchmal stören sind behoben. Danke, Nikon!

Die vollständigen technischen Daten sind schon an genug Stellen genannt worden (siehe DPreview, Imaging Resource, Rob Galbraith). Doch die reinen Werte sagen nicht jedem viel. Ich möchte daher in diesem kleinen Artikel darauf eingehen, was einige der Features für meine Praxis bedeuten werden. Natürlich ist so etwas subjektiv: Ein anderer Fotograf mag die Sachen anders bewerten. Es hängt eben auch immer von der persönlichen Arbeitsweise und dem eigenen Geschmack ab. Hier sind jedenfalls meine Kommentare zu einigen wichtigen Features der Nikon D80 und wie ich ihre Auswirkungen auf meine Fotografie einschätze.

Da die meisten Punkte dieser "Wertevorschau" auch in der Realität bestand hatten, ergänze ich meine Erfahrungen mit der D80 hier in Form eines farblich gekennzeichneten Updates.

Features

Nikon D80

10.2 MPx

Wohl einer der wichtigsten Punkte für das Marketing. Das Megapixel-Rennen ist offensichtlich doch noch nicht beendet. Mir haben die 6 MPx der D70 bisher auch immer gereicht und ein großer Dynamikumfang wäre mir eigentlich lieber (mal schauen, was Fuji da noch so bringt). Auf der anderen Seite liegt z.B. bei Bildagenturen die Messlatte inzwischen ziemlich hoch und 6 MPx sind dort absolutes Minimum. Etwas mehr kann daher nicht schade. Dafür ist mehr Speicherplatz notwendig und die Bildbearbeitung braucht einen schnelleren Prozessor. Bei dem anhaltenden starken Preisverfall von Computerhardware ist dies aber kein ernsthaftes Problem.

Die höhere Auflösung schafft angenehme Reserven für die Bearbeitung. Ansonsten sind sie nicht wirklich nötig, aber doch nett.
Zum Rauschen der D80 und die unterschiedlichen Optionen der Rauschreduktion gibt es einen separaten Artikel: Kleiner Nikon D80 Rauschtest.

11-Punkt AF

Damit hatte ich bei der D80 nicht gerechnet und bin sehr erfreut. So viele AF-Punkte brauche ich eigentlich nicht wirklich. Aber mit diesem Modul (der D200) hat Nikon erstmal AF-Punkte auf den vier "Goldenen Punkten". Das sind die Schnittpunkte der Linien des Goldenen Schnittes, wenn man diesen sowohl horizontal als auch vertikal benutzt. Genau dort liegt bei mir sehr häufig der Schärfepunkt. Ich hoffe daher, mit der D80 auf ein Schwenken der Kamera zum Scharfstellen per AF verzichten zu können. Denn dieses Verfahren kostet unnötig Zeit und hat in sich auch noch ein Schärfeproblem (siehe Michael Hohner : Nicht schwenken, Why Focus-Recompose Sucks ). Vor allem bei einer Portraitserie ist das andauernde hin und her sehr störend, da der passende Bildauschnitt nach jeder Schärfekorrektur neu gefunden werden muss. Und diese Korrekturen sind notwendig, wenn das Modell nicht hunderprozent still steht.

Die zusätzlichen Fokuspunkte sind wirklich praktisch. Ganz besonders wie erwartet die vier in den Punkten des Goldenen Schnitts, aber auch die anderen sind hin und wieder sinnvoll. Letzendlich kann man wohl gar nicht genug Fokuspunkte haben. Die Liniensensoren sind allerdings doch in kritischen Situationen merkbar weniger treffsicher als der zentrale Kreuzsensor. Für das nächste Update wünsche ich mir also statt mehr AF-Punke lieber mehr Kreuzsensoren. Die D2-Serie macht es vor.
Ein Problem bereitet mit zunehmender Menge allerdings die Auswahl der Punkte. Mit der 4-Wege Wippe der D80 und 11-AF-Punkten geht das noch. Merkbar besser sind dort allerdings die D200 und die D2-Serie mit einer 9-Weg-Wippe (Diagonalen und Mitte zusätzlich). Das größte Manko in diesem Zusammenhang ist aber, dass ich an der D80 mit Hochformatgriff im Hochformat nicht mit dem Daumen an die Wippe komme. Nun sind meine Hände nicht besonders groß, aber ich denke damit werden viele Probleme haben. Bei der D200 ist es genauso. Da bringt nur die D2-Serie mit fest integrierten Hochformatgriff Besserung (oder ein Hochformatgriff mit zusätzlicher Wippe wie bei der Nikon F6). Etwas entschärfen läßt sich dies allerdings durch die Zuweisung der Fokuspunktwahl auf die AE-L Taste per Custom-Funktion.

3 Bilder/s

Das ist absolut betrachtet kein schlechter Wert, für Sportfotos aber doch schon recht wenig. Wer viel in der Richtung macht, kann die 5 Bilder/s der D200 gut gebrauchen. Auf der anderen Seite könnte der schnelle 4-Kanal Sensor der D200 deren Banding-Problem verursachen. Wenn der 2-Kanal Sensor der D80 kein Banding hat, dann ist das immerhin ein kleiner Ausgleich. Da ich nur selten Sport fotografiere kann ich gut damit leben.

Von Banding war bei der D80 in der Tat nichts zu hören.

SD-Karten

Ich habe schon viele verärgerte Kommentare wegen der Umstellung von CF auf SD Speicherkarten gehört. Ich sehe darin kein großes Problem: Die Speicherkarten sind inzwischen so günstig geworden, dass eine ausreichende Menge SD ohne Probleme angeschafft werden kann. SD ist inzwischen sogar etwas billiger als CF und in der Praxis gleich schnell. Das etwas kleinere Format finde ich auch angenehm. Etwas unpraktisch ist die Sache nur, wenn man parallel eine zweite Kamera mit CF betreibt. Das wird mir passieren. Wie oft ich die D70 neben der D80 benutzen werde, wird sich zeigen.

Das Problem des Parallelbetriebs von D80 und D70 hatte sich schnell gelöst: Nachdem ich einmal mit der D80 fotografiert hatte, habe ich die D70 nicht mehr benutzen wollen: Sucher, Display, AF-Punkte, das alles ist so viel besser! Die D70 und ihre CF-Karten habe ich daher schnell verkauft.

Großer, guter Sucher

Ein in meinen Augen sehr wichtiger Punkt. Ein Bild, dass ich bei der Aufnahme nicht richtig sehen kann, kann ich auch nicht richtig gestalten. Der kleine Sucher der D70 ist für mich da manchmal ein Problem, z.B. wenn ich bei Ganzkörper-Portraits auf Details wie Mund und Augen achten muss. Ein größerer Sucher ist ein klarer Vorteil. Die D80 bekommt den gleichen Sucher wie die D200 und liegt damit für DSLR mit DX-Sensorformat im Spitzenbereich.

Wie schon bei "SD-Karten" geschrieben: Der Sucher ist wirklich viel besser als der der D70.

Großes, winkelstabiles Display

Ein besseres Display ist immer gut, da gibt es eigentlich kaum etwas zu sagen. Interessant ist auch das RGB-Histogramm, welches bei Kunstlicht vor einem Übersteuern des Rotkanals bewahren kann. Das ist besonders wichtig für alle die in einem Baustrahler Studio fotografieren. Der große Blickwinkel des Monitors macht das gemeinsame Anschauen eines Fotos z.B. zusammen mit dem Model einfacher, das ist mir auch willkommen.

Schwarzweiss-Modus

Der Schwarzweiss-Aufnahmemodus ist eigentlich unnötige Spielerei. In der Form wie Nikon ihn umgesetzt hat gefällt er mir aber sehr. Man kann den Kontrast einstellen, Kurven hochladen und sogar klassische Farbfilter wählen. Natürlich geht dies alles viel besser mit Kanalmixer und Kurven in der EBV, aber der Vorteil es in der Kamera zu haben ist die sofortige Ansicht: Selbst wenn die Einstellungen nicht 100%ig der späteren Bearbeitung entsprechen, bekomme ich so schon direkt nach der Aufnahme eine gute Vorschau. Gerade bei Schwarzweiss ist das Endergebnis, die Wirkung von Kontrast und Filtern oftmals schwer abzuschätzen - nun kann man sofort etwas sehen. Und da die Nikon D80 diese ganzen Einstellungen unabhängig vom Farbmodus macht und neben einem bearbeiteten JPEG auch gleichzeitig noch eine unbearbeitetes, farbiges RAW speichern kann, verliere ich trotzdem nichts an Nachbearbeitungsmöglichkeiten. Das ist wirklich klasse.

Konfigurierbare Menüs, Func- und AF-Taste

Bei der D70 brauche ich immer nur eine handvoll Einstellung im Menü (ISO-Automatik, AF-Modus...). Wenn ich die anderen Punkte ausblenden kann, dann spart das beim Fotografieren Zeit und verhindert Fehler. Zudem gibt es für den AF-Modus jetzt eine extra Taste, was die Sache noch einfacher macht. Ob der neue AF-Modus AF-A das Umschalten zwischen AF-S und AF-C unnötig macht, wird die Praxis zeigen, ich rechne aber nicht damit. Die einstellbare Func-Taste ist genau so hilfreich. Voreingestellt ist dort die ISO-Anzeige im Sucher und auf dem Display. Das ist praktisch, besser wäre aber doch eine permante Anzeige wie bei der D200 oder D2-Serie. "Dank" der D70 bin ich inzwischen daran gewöhnt auf das Zurückstellen hoher ISO-Werte zu achten, also werde ich mit diesem kleinen Komfortmangel wohl auch weiter leben können.

Nett wäre eine Option zum Sprung auf das mittlere AF-Feld für die Func- oder AE-L/AF-L-Taste gewesen, die gibt es aber leider nicht. Besser noch natürlich eine immer erreichbare 9-Wege-Wippe.

Plastikgehäuse

Die D80 hat nur ein Plastikgehäuse genau wie die D70. Natürlich fühlt sich eins aus Metall wie bei der D200 irgendwie besser an und hält im Zweifelsfall auch mehr aus. Doch so hart behandel ich meine Kamera gar nicht. Außerdem fühlt sich Plastik in der Sonne nicht so heiß und im Winter nicht so kalt an, das hat auch etwas. Wenn ich dann noch das geringere Gewicht damit in Verbindung setze, dann bin ich rein vom Verstand her mit dem Plastikgehäuse besser bedient. Vom Gefühl her hätte ich aber trotzdem lieber ein Metallgehäuse.

Im ersten Moment war es ein kleiner Wermutstropfen: Obwohl der Griff der D80 besser geformt ist als bei der D70, ist er kürzer: zu kurz selbst für meine kleinen Hände. Und das Gehäuse ist mehr seitenlastig, wohl bedingt durch größeren Sucher und Display. Doch dieses Problem ließ sich mir dem Hochformatgriff MB-D80 lösen. Damit liegt die Kamera im Querformat perfekt in der Hand und lange Hochformat-Serien werden deutlich entspannter, obwohl der Hochformatgriff hinten etwas zu eckig geraten ist um Platz für einen zweiten Akku zu schaffen. Als Nachteil kommt man - wie schon beim AF geschrieben - mit der Hand am Hochformatgriff nicht mehr an die AF-Wippe.

Keine Belichtungsmessung bei AI-Objektiven

Das ist in der Tat sehr schade, gibt es doch einige wirklich interessante alte Nikkore. Die Nikon D200 und D2X können geradezu perfekt mit diesen umgehen. Trotzdem benutzte ich generell gerne AF und hoffe daher auf eine paar gute neue DX Festbrennweiten. Ein lichtstarkes Weitwinkel steht da bei mir ganz oben auf der Liste. Nikon, hörst du mich?

Fazit

Die D80 ist wirklich eine tolle Kamera, ich bin mit ihr sehr zufrieden. Zusammen mit dem Multifunktionsgriff MB-D80 liegt sie nahezu perfekt in meiner Hand. Bedienbarkeit, Bildqualität, Sucher, Display, alles liegt auf sehr hohem Niveau.