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Photokina 2012 Rückblende

2012-09-25

Photoglobe

Kleinbildformat

Bei den großen Herstellern von DSLR sieht man vor allem den Trend das bisher sehr teure Kleinbildformat (auch FX und Vollformat genannt) mit günstigeren Kameras nach unten weiterzuentwicklen. Nikon zeigt die D600 für 2149,- Euro, Canon kontert mit der 6D für 1999,- Euro. Beides solide Kameras, die gut in das Sortiment der beiden großen Systeme passen - aber auch wenig neues bringen. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass Nikon demnächst schon ausliefern will, es bei Canon aber sicher noch einige Monate dauern wird. Die frühe Ankündigung von Canon sieht mir leider etwas nach “Kunden hinhalten” aus.

Sony ist da kreativer und bringt seine Alpha 99 mit einem guten elektronischen Sucher und feststehendem Spiegel - das hat Vor- und Nachteile. Ob sich das Konzept jetzt schon gegen einen Prismensucher durchsetzen kann, ist unklar. Gut gefallen hat mir an der Sony auf jeden Fall das intelligent gelagerte, voll schwenkbare Display.

Außerdem bringt Sony mit der RX1 eine Kompaktkamera mit 2 / 35 mm Objektiv und Sensor im Kleinbildformat. Mit 3099,- Euro ist sie sehr teuer, aber auch einzigartig. Leider gab es sie nur hinter Glas zu sehen.

Spiegellose Systemkameras

Panasonic Lumix GH3

Seit der Vorstellung der Panasonic G1 vor vier Jahren finde ich dieses Kamerasegment sehr interessant. Dementsprechend genau habe ich mich auf der Photokina danach umgeschaut und in der Tat gab es auch viel neues zu sehen.

Panasonic hat festgestellt, dass die Gewinnmargen am unteren Ende immer kleiner werden und will sich daher auf die anspruchsvolleren Kunden konzentrieren. Die Lumix GH3 passt da perfekt, etwas größer, mit hochwertigem Gehäuse und einigen netten Features für Videographen. Leider gab es sie auch erstmal nur zum angucken. Dafür tut sich bei den Objektiven auch etwas. Neben dem bekannten 4 / 7-14 mm und 2.8 / 12-35 mm gibt es jetzt auch das 2.8 / 35-100 mm und als nächstes sollen ein 1.2 / 42.5 mm und ein 2.8 / 150 mm kommen. Die ersten drei konnte ich mir angucken uns sie machen einen hochwertigen Eindruck.

MFT Objektive

Anders die Objektive bei Olympus. Mit deren Haptik kann ich mich leider nicht anfreunden - sie wirken auf mich etwas wie Spielzeuge. Das ist schade, da optisch durchaus das eine oder andere Highlight dabei ist. Interessant ist das 3.5-6.3 / 12-50 mm mit der Möglichkeit zwischen manuellem Zoom und Motorzoom durch verschieben des Zoomrings umzuschalten. So ist für Fotografie und Video jeweils das richtige dabei.

Bei Samsung konnte ich mir das 4-5.6 / 12-24 mm für die NX Serie angucken. Es ist recht leicht und viel Plastik, bedient sich aber gut und passt zur NX20. Ich bin gespannt auf die ersten Testergebnisse.

Sony zeigte für NEX ein anspruchsvolleres 4 / 10-18 mm, das aber leider auch nur hinter Glas. Zum Anfassen gab es das 3.5-5.6 / 16-50 mm Motorzoom. Ich bin grundsätzlich kein Fan von motorischem Zoomen, auch wenn es für Videos wohl sinnvoll sein mag. Pentax und Minolta haben ihre entsprechenden Serien zu Kleinbildzeiten relativ schnell wieder eingestellt. Mit Video und einer sehr kleinen Bauform haben Powerzooms an spiegellosen Systemkameras deutlich mehr Chancen. Die Bedienung des Sony Objektives überzeugt mich aber nicht, das Zoomen per Drehring war ungenauer als das Zoom mancher Kompaktkamera. Die NEX-6 hingegen liegt gut in der Hand. Einen klassischen Fotografen wie mich kann die Bedienung allerdings noch immer nicht ganz überzeugen, auch wenn Sony schon vieles verbessert hat seit den ersten NEX-Kameras.

Die Sonne der Messe ging daher dann für mich über dem Stand von Fujifilm auf. Die X-E1 hat eine wunderbar klassische Bedienung und fühlt sich sehr hochwertig an und der Sucher ist nach meinem Eindruck der Beste in diesem Segment. Vor allem gilt der gute Eindruck auch für die Objektive: Das 2.8-4 / 18-55 mm ist das lichtstärkste Standardzoom für eine spiegelloses System und dabei kaum größer als die Konkurrenz. An Festbrennweiten gibt es jetzt schon vieles (auch wenn man das 2.8 / 14 mm noch nicht anfassen konnte) und was fehlt kommt 2013, so auch ein 4 / 10-24 mm. Die Prototypen dazu konnte man hinter Glas schon sehen. Nur am Autofokus sollte Fuji weiter arbeiten. Obwohl er schneller geworden ist und mir mit dem Zoom auch akzeptabel erscheint, ist er mit den älteren Festbrennweite teilweise noch etwas behäbig.

Und dann ist da noch...

Hasselblad zeigte auf der Photokina mit der Lunar eine luxuriöse, spiegellose Systemkamera. Dabei handelt es sich um eine Sony NEX-7 in einem edlen Gehäuse mit Aluminium, Carbon, Holz- oder Ledergriff ganz nach Kundenwunsch. Das Vorbild ist wohl Leica, die mit Sammlerversionen ihrer Kameras gutes Geld verdienen und sich auf der Photokina gleich mal die komplette Halle 1 leisteten. Einen guten Namen hat Hasselblad ebenso wie Leica. Bei Leica sind es aber die bereits teuren und hochwertigen Kameras und Objektive die weiter aufgewertet werden. Bei Hasselblad ist es hingegen vergoldete Allerweltsware auf Japan, bei den Objektiven wird scheinbar sogar nur der Schriftzug geändert. Da wundert es nicht, dass die Lunar von bösen Zungen im Internet bereits als “Frankenblad” bezeichnet wird. Es ist also fraglich, ob diese Strategie aufgehen wird. Letztendlich ist der Sammlermarkt aber nicht rational und daher kann wohl nur die Zeit entscheiden, ob diese Strategie aufgeht.

Das war sie, meine Photokina 2012. Wie immer gab es viel zu sehen und der Kameramarkt bleibt spannend.