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Nicht verwackeln

2005-01-26

Gerade Anfängern passiert es oft, dass einige ihrer Fotos verwackelt sind. Wie kann man das vermeiden? Hier möchte ich ein paar Tipps geben, wie man das Problem in den Griff bekommen kann. So ist es mir gelungen, die Serie U-Bahnhöfe frei Hand ohne Blitz mit 1/20s bei 28mm zu machen.

Bei diesen Tipps geht es nur um Bilder, die vom Fotografen verwackelt sind. Die Bewegungsunschärfe eine fahrenden Zuges oder auch einer Person und Fotos von beweglichen Positionen aus (z.B. auf einem Boot stehend) sind andere Probleme und hier nicht das Thema.

Grundregel
Verwackelte Bilder drohen immer dann, wenn mit Zeiten fotografiert wird, die relativ lang sind. Das relativ bezieht sich hierbei vor allem auf die verwendete Brennweite. Für Kleinbild gibt es die Faustregel:

Längste verwackelfreie Zeit = 1 / Brennweite

Dies ergibt bei einem 50mm Normalobjektiv also mindestens 1/50s, bei 200mm sollte es dann aber schon 1/200s oder kürzer (1/250s, 1/500s) sein! Wenn man sicher gehen will, halbiert man die so ermittelte Zeit noch einmal, nimmt also statt 1/250s 1/500s.
Für andere Filmformate und natürlich auch Digitalkameras muss man für diese Grundregel die Brennweite erstmal auf Kleinbild umrechnen. Manchmal hat dies bereits der Kamerahersteller gemacht (z.B. Minolta bei der Dimage 7), sonst muss man selber rechnen. Der für die Brennweite geltende Faktor entspricht der Diagonale des Kleinbildfilms (43,26mm) geteilt durch die Diagonale des Sensors der Digitalkamera. Bei meiner Fuji s602 ist dies etwa 4,5. Angegebene 10mm der Fuji entsprechen also 45mm bei Kleinbild, weshalb ich auch gerne mal 45KBmm dafür schreibe.
Man sollte aber beachten, dass eine digitalte Kompaktkamera von sich aus nur minimale Vibrationen hat, die Zeit daher teilweise etwas länger sein kann.

Ist für solche Zeiten nicht genug Licht vorhanden und es soll kein Blitz verwendet werden, so helfen die weiteren Tipps. Damit ist auch schon mal die doppelte der errechneten Zeit verwacklungsfrei möglich.

  1. Kamera sicher halten
    Eine Spiegelreflexkamera hält man dazu klassisch mit der linkenHand am Objektiv und der rechten am Gehäuse, den Finger am Auslöser. Bei Kompaktkameras sollte man versuchen, mit der linken Hand möglichst weit entfernt von der rechten am Gehäuse einen sicheren und entspannten Griff zu finden. Das ist leider nicht immer gut möglich und zusammen mit dem geringern Gewicht dieser Kameraklasse in Hinblick auf das Verwackeln ein echtes Problem.
  2. Sucher benutzen
    Digitale Kompaktkameras ermöglichen es, beim Fotografieren nicht durch den Sucher zu gucken, sondern das Display zu benutzen. Dies ist ein sicherer Weg, das Foto zu verwackeln. Man sollte in kritischen Situationen immer den Sucher benutzen, egal ob es ein Durchsicht-, Elektronischer oder Spiegelreflex-Sucher ist. Die Kamera kann man dann leicht gegen den Augenbrauenwulst drücken (wenn dafür genug Fläche um den Sucher vorhanden ist) oder aber zumindest die Hand nochmal am Kopf abstützen.
  3. Abstützen
    Im einfachsten Fall kann man die Arme am eigenen Körper abstützen, z.B. den linken Arm von Schulter bis Ellenbogen an die Brust anlegen. Das sieht zwar manchmal etwas verkrampft aus, hilft aber das Wackeln zu verhindern. Noch besser ist es natürlich, die Arme auf einem Geländer abzustützen.
  4. Sicherer Stand
    Auch der Stand des Fotografen sollte sicher sein, ein hin- und herwanken bei der Aufnahme ist ungünstig. Wenn möglich kann man sich dazu an einer Mauer oder eine Laterne anlehnen oder sich hinknien. Beim Knien hat man am Besten ein Knie am Boden, das andere Bein aufstellen um darauf dann den linken Ellenbogen abstützen.
  5. Entspanntes Auslösen
    Um die Kamera nicht beim Auslösen zu verwackeln, sollte die Hand am Auslöser (üblicherweise die rechte) relativ locker sein. Das Gewicht der Kamera also besser mit Links halten.
  6. Luft anhalten
    Um auch die letzten unnötigen Verwackelungen zu vermeiden am Besten kurz vor der Aufnahme aus- (oder ein-) atmen und die Luft anhalten, bis die Aufnahme im Kasten ist.

Natürlich wird man auch mit diesen Tricks irgendwann an eine Grenze kommen. Dann helfen nur noch kürzere Zeiten durch lichtstärkere Objektive, empfindlichere Filme oder Blitz oder aber ein stabiles Stativ. Damit richtig umzugehen ist dann wieder ein anderes Thema. ;-)